Den ersten Teil des Zitats einer Arie aus der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss – freilich, nicht in der hier verwendeten Fragefassung – hat man in diesem Jahr als Motto gewählt für die Opern- und Operetten-Gala, die 2017 wieder einmal, wie schon seit 15 Jahren im Zusammenwirken von MAKSi mit der Chorgemeinschaft Kreuztal 1851 e. V., mit namhaften Gesangssolisten und dem MAKSi-Orchester unter der musikalischen Leitung von Prof. Maurizio Quaremba in der Stadthalle in Kreuztal veranstaltet wird.
In der „Fledermaus“ – im Italienischen heißt es: „Il pipistrello“ – zeigt sich „im Feuerstrom der Reben“ die Wiener Schickeria, einschließlich ihres weiblichen Hauspersonals, das sich gern als „Unschuld vom Lande“ ausgibt, in prickelnder Stimmung. Doch bei aller Champagnerlaune, die schwungvoll besungen wird und letzthin bei den neckischen, bald fraternisierten Protagonisten („Brüderlein und Schwesterlein, wollen alle wir sein.“) im Salon des reichen russischen Magnaten, Prinz Orlofsky, zu kollektivem Vollrausch führt („Duidu immerzu“), ist vielleicht die nüchterne Frage erlaubt: Wie glücklich kann man sein, wenn man auf das Vergessen baut? („Flieht auch manche Illusion, die dir einst dein Herz erfreut, gibt der Wein dir Tröstung schon durch Vergessenheit.“) Waren es nicht etwa Walzerklänge zu einem Tanz auf dem Vulkan? Wie nah war das angeheiterte „Trink mit mir, sing mit mir, Lalala, lalala …“, das wie die lebenslustige Begleitmusik zu einer heiteren Komödie anmutet, am Abgrund der Tragödie? Heißt es doch: „Gestern noch standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter“. Nun ja, „beim Wein, der Tröstung gibt – schon durch Vergessenheit“, ist die folgende Katerstimmung garantiert.
Wenn man sich auf die Entstehungszeit der zweifellos erfolgreichsten Strauss-Operette besinnt, so feierte sie – mit einem Feuerwerk an Ideen, einem Weltrekord von 120 Melodien – am 5. April 1874 ihre Uraufführung am „Theater an der Wien“. Ein Musikstück des damals noch unfertigen Werkes, der Csárdás [„Klänge der Heimat, ihr weckt mir (ungarisch breit) das S(ä)hnen, rufet die Tränen …] aus dem zweiten Akt, wurde bereits bei einem Wohltätigkeitskonzert im Oktober 1873 erstmals dem Wiener Publikum vorgestellt. Wegen des großen Erfolges wurde die Uraufführung der gesamten Operette rasch vorangetrieben, musste aber infolge der inzwischen ausgebrochenen Wirtschaftskrise mehrfach verschoben werden.
Jener „Wiener Gründerkrach“, einer der zahlreichen „Schwarzen Freitage“ der Weltgeschichte, erschütterte die Donaumonarchie am 9. Mai 1873 bis ins „kapitale“ Mark. Dem Geld, das doch neuerdings die Welt regieren sollte, war unter Kaiser Franz Josef I. eine neue, eminente Rolle im Leben der Gesellschaft beigemessen worden. Die von ihm 1873 ins Land geholte Weltausstellung, ein internationales Schaufenster des neuerlich Machbaren, hinterließ ein Defizit von 19 Millionen Gulden. Der Verfall der betrügerisch aufgelegten Aktien führte zu einem unsäglichen Desaster für die Geldanleger, die vielen Reichen, aber auch Neureichen, deren Einlagen auf der Welle der damaligen Aufbruchsstimmung die Kapitalmärkte fluteten. Der große Schwindel flog auf und in dem Taumel der Geldgier verloren nicht wenige den Boden unter ihren Füßen. In dieser Folge hatten auch die notorischen Habenichtse, die von ihren aristokratischen und großbürgerlichen Arbeitgebern abhängig waren, noch weniger als vorher, d. h. nunmehr nicht mehr als nichts. Dem Elend zum Trotz feierte in Wien der vorherrschende, geradezu bacchantische Hedonismus feucht-fröhliche Urständ‘, nach dem Motto: Auch wenn alles keinen Sinn hat, soll der Unsinn doch wenigstens Spaß machen.
Ist aber unter diesen Umständen das bloße Vergessen ein guter Ratgeber? Freilich, das Banale vergisst sich schnell von selbst. Das Besondere, vor allem Angenehme, das erfahrene Glück, vielleicht auch Rühmenswerte nehmen wir gerne zum Gegenstand unserer Erinnerungskultur. Im gegenteiligen, negativen, gar schrecklichen Fall, pflegen wir stattdessen die Verdrängungskultur. Was jedoch diese Kultur betrifft, so ist bemerkenswert, dass sich im zeitlichen Umfeld „Schwarzer Tage“ immer wieder ungeahnte, neue Kräfte entwickelten, die zu einem weit findigeren Erfinder- wie auch prosperierenden Unternehmergeist, zudem zu einer Hochblüte künstlerischer Kreativität führten. Man denke nach dem katastrophalen Weltkrieg an die Goldenen Zwanziger, andernorts treffend als „Roaring Twenties“ charakterisiert. Freilich, 1929 platzte wieder mal weltweit die gigantisch aufgebähte Kapitalblase, ausgehend von der Wallstreet in New York, diesmal an einem „Schwarzen Donnerstag“. Wo man den sicheren Boden bereits unter den Füßen verloren hatte, ließ sich notgedrungen, ohne lähmende Bodenhaftung und somit leichter eine neue Existenzgrundlage finden. Es hieß: Frisch gewagt! Denn verlieren, wenn man ja schon alles verloren hatte, konnte man nichts mehr. So sind manche Geniestreiche, wie auch damals die überschäumende „Fledermaus“, gerade in Zeiten scheinbarer Aussichtslosigkeit kreiert worden. Von wegen „was doch nicht zu ändern ist.“ Sollte man daher nicht besser sagen: Glücklich ist, wer sich ändern, – vielleicht in einer verfahrenen Situation neu erfinden kann?

Erwin Isenberg

 

Das MAKSi Akademieorchester spielt Bach und Vivaldi

Pressebericht der Siegener Zeitung

Mag der „Teufel" im Detail stecken: Notenausgaben von Anton „Diabelli"

Die Musikakademie Siegerland Südwestfalen e. V. (MAKSi) hat schon seit einigen Jahren ihre Geschäftsstelle in Stift Keppel und überhaupt, wie es heißt, „ihr schönes Zuhause" dort gefunden. Dazu gehören auch eine Musikbibliothek und ein Notenarchiv mit bereits über 5000 erfassten und noch mal so vielen unregistrierten Titeln, darunter Chor- und Orchesterpartituren, Instrumentalsätze, Gesangsnoten, Klavierauszüge, rundum alles, was sich mit Instrumenten und menschlichen Stimmen zum Klingen bringen lässt. Der Fundus hat sich rasch aus Notenspenden gefüllt. Aufgelöste Chöre haben ihre Notenbestände übergeben, Privatpersonen eigene bzw. aus Erbschaften hinterlassene Noten gestiftet und auch aus dem gymnasialen Schulgebrauch ist etliches hinzugefügt worden. Wer möchte, kann sich kostenfrei Noten ausleihen. Dem Notenarchivar, Autor dieses Artikels, sind im Laufe der Zeit beim Einsortieren viele Exemplare durch die Hände gegangen. Darunter auch bemerkenswerte „alte Schätzchen". Da schaut man gerne zweimal hin, wenn sich erschließen lässt, dass die Notendrucke aus dem 19. Jahrhundert stammen. Wenn man als Verleger Anton Diabelli (*1781) im Einbandtitel liest, wähnt man sich bei den vorfindlichen Originalausgaben in der Wiener Klassik angekommen. Die Notenblätter sind zwar schon stockfleckig, aber zum Gebrauch, d. h. zum raschen Umblättern noch fest und flexibel genug, was auch die Faserung des Papiers parallel zum Bund begünstigt. Früher war es üblich, mehrere Notenbände zusammen in ein Buch einzubinden. So finden sich in der gleichen Sammlung auch Noten aus dem Verlag von Carl Anton Spina (1827-1906), Sohn von Anton Spina (1790-1857), der 1824 in die Firma Diabelli & Co, „K.K. Hof- und private Kunst- und Musikalienhandlung" im Graben No 1133 (1. Wiener Bezirk), als Companion eintrat.

Abb. 4 Anton Diabelli Portrait

 

Besagter Diabelli war selbst auch Komponist. Musikhistorisch ist er v. a. berühmt geworden durch seine 33 Variationen über einen im Grunde simplen, nach ihm benannten Walzer. Ludwig van Beethoven, der sich mit ihm angefreundet hatte, nannte ihn scherzhafterweise „meinen Diabolus". Sein Vater – zum Teufel aber auch! – hieß Dämon. Ihm wollte es schicklicher erscheinen, den wenig vertrauenserweckenden Nachnamen zu italienisieren – dort hieße der Zwietracht stiftende Ungeist Diavolo –, so dass er daraus den gefälligeren „Diabelli" machte. Bemerkenswert ist das im wahrsten Wortsinn „gestochen scharfe" Notenbild der alten Diabelli-Notenausgaben. In der Tat hat man früher Noten nicht gesetzt, sondern gestochen bzw. gestempelt, und zwar gleich in eine weiche Blei-ZinnAntimon-Legierung. Mit einem fünflinigen Rastral wurden vorab die Notenzeilen gezogen, mit Stahlstempeln ganze und halbe Noten, Vorzeichen und Notenschlüssel in die Platte geschlagen und mit dem Stichel Notenhälse ins Blei gegraben. Alles in Handarbeit. Was die Taktgliederung und Zeichenfolge der Noten betraf, ließen sich die Abstandsweiten variabel einrichten, ebenso die Seitenumbrüche, so dass an passenden Stellen umgeblättert werden konnte. Notenkundig mussten die Notenstecher schon sein und auch Verständnis für die praktischen Aufführungsbedürfnisse der Instrumentalisten und Sänger mitbringen. Viele der alten Notenstiche, oftmals Erstausgaben, sind Jahrzehnte lang immer wiederverwendet worden, da es für neuere, ggf. bessere Fassungen offenbar kaum Bedarf gab. Später hat man von den Original-Notenstichplatten Barytabzüge angefertigt, von denen direkt Positivfilme für den Offsetdruck oder Buchdruckklischees hergestellt werden konnten. Die heute von nahezu Jedermann mit Hilfe von Computerprogrammen digital „gesetzten" Noten reichen an die frühere Qualität nicht heran.
Es ist auffällig, dass die meisten Notenverlage es immer noch vermeiden, die Jahreszahl der Druckausgabe anzugeben, dem Anschein nach zeitlose Notenbilder, manchmal so alt wie die Komposition selbst. Dabei sind die Druckfahnen nach dem ersten Andruck der gestochenen Noten zumeist selbst noch von den Komponisten durchgesehen und – gegebenenfalls – revidiert worden. Auf den weichen Bleiplatten ließen sich falsche Noten leicht wegplätten. Der Platteneindruck (Tiefdruck) ins Papier ist übrigens Seite für Seite heute noch gut zu sehen. Selbst bei gewissenhafter Übertragung vom Manuskript des Komponisten passierten immer wieder Fehler, zumal die handgeschriebenen Noten oftmals flüchtig, rasend schnell wie die auswendig im Gedächtnis repetierten Töne fast in Echtzeit zu Papier gebracht wurden. Nicht wenige Kompositionen entstanden zunächst nur im Kopf und wurden sofort, d. h. ohne Erprobung mit einem Instrument, handschriftlich in Noten fixiert. So hatte Franz Schubert, wie überliefert ist, beim Komponieren nur einen Schreibtisch vor sich. Entsprechend rätselhaft zeigte sich mitunter das gehuschte Geschreibsel für den Notenstecher, der sich im musikalischen Sinne einen Reim darauf machen musste. Während der gelegentliche „Dreckfuhler" = Druckfehler im Buchstabensatz immer noch den Wortsinn, v. a. im Textzusammenhang, erahnen lässt, konnte eine einzige falsche Note der Komposition eine völlig entstellende Wendung geben. Ob es auch Notenstecher gab, die sich wie vormals beim Buchdrucker Johann Ballhorn (+ 1603) eigenmächtige Verbesserungen bzw. Verschlimmbesserungen, also „Verballhornungen" anmaßten, ist selten in die Öffentlichkeit gelangt. Zwingend ist immer die Beachtung einer stimmigen Noten-Mathematik. Durch die Revision der Komponisten selbst, soweit sie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch lebten, war letzthin garantiert, das wir heute spielen und hören, was damals so auch gedacht war. Ins Blei gestochen, heißt in Spiegelschrift gefertigt. Auch in dieser Hinsicht waren Notenstecher Künstler. Ebenso künstlerisch sind die aufwendigen, dekorativen Titelkupfer gestaltet. Auch hier hat man oft die beim ersten Erscheinen verwendeten Titelseiten bei den nachfolgenden Ausgaben, selbst bis in unsere Zeit, wiederverwendet bzw. photomechanisch faksimiliert.

Abb. 1 diabelli-verlag

Was Diabelli betrifft, so weiß man, dass er 1818 durch seine Bekanntschaft mit dem Wiener Verleger Pietro Cappi (+ 1826) in das Verlagsgeschäft einstieg. Den Musikalienhandel, den beide zunächst gemeinsam betrieben, übernahm Diabelli sechs Jahre später auf alleinige Rechnung. Als Verleger förderte er einige der großen Komponisten seiner Zeit: Hier sind neben Franz Lachner, Michael und Joseph Haydn, Luigi Cherubini, Mozart und vor allem Franz Schubert zu nennen. Diabelli wurde für sein Lebenswerk mehrfach ausgezeichnet. Die Gesellschaft der Musikfreunde Wien und der Dommusikverein Salzburg ernannten ihn zum Ehrenmitglied, der Kaiser verlieh ihm den Titel eines „k. k. Hofmusikalienhändlers". Am 8. April 1858 starb Diabelli in geistiger Umnachtung, wie es damals hieß. Auf dem Sankt Marxer Friedhof in Wien wurde er beerdigt.

Dr. Erwin Isenberg

Marie von Zuccalmaglio als Stiftsdame in Keppel
von Dr. Erwin Isenberg

Zuccalmaglio03Stift Keppel, in dem u. a. auch MAKSi resident ist und seit einigen Jahren sein schönes Zuhause gefunden hat, ist nicht nur vom Hauch der Geschichte umweht, auch immer wieder – wenn sollte es wundern? – mit musikalischen Nachklängen aus der Vergangenheit verbunden. In dem Gebäudetrakt mit dem Jugendstil-Treppenturm, ausgewiesen mit einem Chronogramm aus dem Jahre 1903, befindet sich das MAKSi-Büro. Als das Gebäude neu war, wohnte und arbeitete dort als Stiftsdamenlehrerin Marie von Zuccalmaglio.

 

Für Sangeskundige hat der Name einen besonderen Klang. Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio (1803-1869) könnte man als den Grimm unter den Volksliedforschern bezeichnen. Der studierte Jurist sammelte Volksweisen und dichtete auch selber solche im volksliedhaften Ton gehaltene Lieder. ‚Kein schöner Land in dieser Zeit' darf sicherlich als seine bekannteste Dichtung gelten. 22 Weisen aus seiner Sammlung wurden von Johannes Brahms bearbeitet. Im ChorVerband NRW e.V. finden alljährlich bis auf den heutigen Tag im Rahmen des Leistungssingens publikumswirksame Zuccalmaglio-Wettbewerbe statt.

 

Zuccalmaglio04Besagte Marie von Zuccalmaglio, die 1904 als Stiftsdame an der traditionellen Keppeler Schuleinrichtung ihre Anstellung erhielt, stammte – wie ihr bemerkenswerter italienischer Name vermuten lässt – aus eben dieser berühmten Familie. In der Tat kommen die Zuccalmaglios nachweislich ihres Namens seit dem 15. Jh. aus der Provinz Verona. Es soll Querverbindungen zu einer der Familienstämme der Medici geben. Ein 1712 geborener Antonio Simonis di Zuccalmaglio kam aus Caprino Veronese, wo es einen barocken Palazzo Zuccalmaglio gibt, und gelangte nach Deutschland an den Düsseldorfer Hof der wittelsbach-churpfälzisch-herzoglichen Linie Jülich, Berg und Zweibrücken. Er schlug die militärische Laufbahn ein und wurde schließlich Rittmeister. Dieser Migrant Anton Simeon di Zuccalmaglio benutzte in seinem Namen das deutsche Adelsprädikat „von". Aus der Ehe (1738) mit der Hofbeamtentochter Maria Barbara de Barbaré gingen sechs Kinder hervor, darunter Marian Heinrich von Zuccalmaglio (*1743), der namengebende Urgroßvater von Marie von Zuccalmaglio. Deren Vater Hermann Karl von Zuccalmaglio (1833), Steuerrat in Neuß, war ein Vetter von Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio.

 

Unser Wissen über die veroneser Sippe und deren Progenitur verdanken wir dem heute in Frankfurt a. M. wohnenden Reinhard Maria von Zuccalmaglio, der die genealogischen Nachforschungen seines verstorbenen Vaters Dr. Karl Heinrich Zuccalmaglio jetzt weiterführt.

 

Marie von Zuccalmaglio wurde am 16. Juli 1866 in Eupen (heute Belgien) geboren. Ihre Mutter, seit 1860 mit Hermann Karl von Zuccalmaglio verheiratet, hieß Amalie Elisabeth Réen. Tochter Marie hatte unterdessen am Konservatorium in Köln studiert und dort ihre Prüfungen in Klavier- und Ensemblespiel, Musiktheorie etc. erfolgreich abgelegt. Zunächst fand sie als Privatlehrerin für mehrere Jahre eine Anstellung bei der Familie des Justizrats Johann Gerhard Hubert Vasen (1826-1908) in Grevenbroich. Dessen Ehefrau, Alberta Giesella Catharina von Zuccalmaglio (1843-1916), war eine Tante von ihr. Sie war die Tochter des Justizrates und Notars Vinzentius Jacobus von Zuccalmaglio (1806-1876), einem jüngeren Bruder von A. W. Florentin von Zuccalmaglio. Wie dieser erlangte auch er größere Bekanntheit, da er als begabter Schriftsteller, Kritiker und Bürgerrechtler seinerzeit hervortrat.

 

Anschließend erteilte Marie von Zuccalmaglio Musikunterricht im Pensionat der Miss Savage auf Schloss Löseck. Wiederum als Erzieherin war sie ein viertel Jahr in der Familie Feisst in Frankfurt und anderthalb Jahre in der Familie des Konsuls Boerbeck in Bremen tätig. Danach ging sie für siebeneinhalb Jahre in die Vereinigten Staaten und unterrichtete an der renommierten Schule der deutschen Diakonissenanstalt in Philadelphia als Musiklehrerin.

 

Bevor Marie von Zuccalmaglio ins Siegerland kam, war sie noch ein halbes Jahr Lehrerin im Comeniushaus in Kassel.

 

In Keppel wurde die am Konservatorium vorgebildete Marie von Zuccalmaglio im Rang einer Stiftsdame als Musiklehrerin angestellt, wo sie neben der Gesangsausbildung den Keppeler Schülerinnen im Einzelunterricht auch Klavier- und Orgelspiel beibrachte. Selbstverständlich gehörte zu ihren Pflichten auch die musikalische Begleitung der Gottesdienste in der Stiftskirche.

Sie muss im Herbst 1907, ernsthaft psychisch erkrankt, um einen längeren Urlaub gebeten haben, von dem sie nicht wieder zurückkehrte. Fünf Jahre später ist Marie von Zuccalmaglio, erst 46-jährig, verstorben.


Dr. Erwin Isenberg

Datiert auf den 19. April 1914 hinterließ Max Reger (1873-1916) eine kompositorische Peti-tesse von ingesamt neun Takten. Passend zum Titel „Marsch der Stiftsdamen" wählte er die Satz-bezeichnung „Allegro pomposo". Die Notenskizze schrieb er – vermutlich seiner guten Laune als Ausweis seines Heilerfolges entsprungen – in das Gästebuch der Kurklinik Martinsbrunn in Meran, und widmete sie in Dankbarkeit dem Leiter der Klinik, dem Nervenvenarzt Dr. Norbert von Kaan und seiner Gattin Melanie von Kaan.
In einem Brief Regers an seine Frau Elsa, die im Hinblick auf einen günstigeren Kurerfolg besser nicht mitkommen sollte, schreibt er: „Dem Sanitätsrat [Dr. Kaan] wird mehrmals in den Sprechstunden gesagt, dass ich sein bester Assistenzarzt sei, indem ich durch meine Späße die Nerven und die melancholischen Kranken so erheitere, dass sie wieder gesunden."

 

01Allegro pomposo Notensequenz

Denkt man an Reger und hört von Stiftsdamen, so ist man geneigt, gleich einen Bezug zum altehrwür-digen Damenstift Keppel herzustellen. Entstammte doch seine Frau Elsa, geschiedene von Bercken und geborene von Bagenski aus dem Dienst- bzw. Offiziersadel, und war selbst in ihrerer Jugend 1885-87 Schülerin bei den Stiftsdamenlehrerinnen in Keppel. Dort erhielt zu ihrer Zeit noch das adelige Fräulein Lethe von Seckendorff-Aberdar (+1891) – Elsas Mutter war ebenfalls eine geb. von Seckendorff-Aberdar – als Titular-Stiftsdame eine auskömmliche Präbende.

 

                                                                     
                                                                                                   Keppeler Stiftsdamenorden02 Orden einer Stiftsdame

 

 

Später noch einmal, 1921, gab Elsa Reger – ihr Mann war bereits verstorben – ihre ältere Adoptivtochter Christa 15-jährig nach Keppel ins Internat, wo sie allerdings nicht lange blieb.
Frau Prof. Susanne Popp – Leiterin des Max-Reger-Instituts (MIR) in Wiesbaden, wo auch das beigestiftete Gebr.-Busch-Archiv verwahrt und verwaltet wird –, die uns in Keppel, so auch die Einrichtungen von MAKSi vor einigen Jahren besucht hat, gab auf Nachfrage kürzlich zur Antwort, dass der musikalische Scherz „Marsch der Stiftsdamen", den Reger in Meran zu Papier brachte, wohl nichts mit Stift Keppel zu tun habe.

 

 

 

03 Frau Professor Popp

 

Professor Susanne Popp. geschäftsführendes Kuratoriumsmitglied des Max-Reger-Instituts und der Elsa-Reger-Stiftung in Karlsruhe

 

 

Sie wisse Genaueres über die Entstehungsumstände aus einem Schreiben von Annie Unter-steineran, Frau eines Neffen von Dr. Norbert von Kaan. In dem Blatt, das das MRI 31. 12. 1955 von ihr erwarb, heißt es: „Da waren vor allem im Speisesaal die vornehmen Stiftsdamen, die sich seinen Spott zuzogen. Sie rauschten immer sehr steif und ablehnend in den Saal, blickten strafend und missbilligend zur Tête der Tafel an der Reger neben meiner Tante saß und wo es stets ein lautes Gelächter gab." Demnach hat Reger Stiftsdamen nicht nur dem Hörensagen nach persifliert. Seine Frau scheint sich vielmehr vollständig über ihre Zeit [im hiesigen Stift] ausgeschwiegen zu haben.
Der Patient, der in der psychosomatischen Kurklinik die notorische Ulknudel gab, als mani-schen Gegenbeweis zu seiner sonst eher depressiven Veranlagung und Ausweis seiner Gesundung nach dem vorausgegangenen psychischen und physischen Zusammenbruch, soll eigenem Bekun-den nach „stinkenden Käse unter die Stühle feiner Stiftsdamen genagelt" haben. Also haben zu seiner Zeit jene auch dort in Martinsbrunn konkret gesessen.

 

 004 Max Reger verkleidetMax Reger 1914 in Martinsbrunn in Meran als betuliche Stiftsdame verkleidet.

 

 

 

Frau Professor Popp schreibt weiterhin: „Ich nehme mit Sicherheit an, dass es adelige Damen waren (wie Stiftsdamen zumindest in Preußen ja wohl immer), die wie Reger als Gäste im Sanatorium weilten, nicht als Mitglieder des Pflegepersonals. Das „pomposo" sagt viel über Regers Einstellung zur adeligen Ver-wandtschaft seiner Frau.
Schade eigentlich, denn so hätte der Marsch der Stifts-damen aus prominenter Feder für Stift Keppel, vielleicht auch MAKSi, zum Erkennungshymnus werden können.

Dr. Erwin Isenberg

 

Hier die Presseberichte der:

Siegener Zeitung und Westfalenpost / Westfälische Rundschau

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Internationaler Meisterkurs 2016
Performance Training
vom 17. bis 24. Juli 2016
in Stift-Keppel, Hilchenbach (NRW)

 

 

Prof. Laurent Breuninger, Violine
Hochschule fu?r Musik Karlsruhe


Prof. Leonid Gorokhov, Violoncello
Hochschule fu?r Musik, Theater und Medien Hannover


Solistisches Abschlusskonzert
im Stift-Keppel-Konventsaal Sonntag 24.07.2016, 10.30 Uhr

 

MAKSi Musikakademie Siegerland-Su?dwestfalen e.V,
Internationaler Meisterkurs 2016 I Anschrift: Projektleitung
Frau Traudel Diedrich I Heesstraße 107 I 57223 Kreuztal-Fellinghausen

 

Flyer mit Anmeldeformuar zum Download