Marie von Zuccalmaglio als Stiftsdame in Keppel
von Dr. Erwin Isenberg

Zuccalmaglio03Stift Keppel, in dem u. a. auch MAKSi resident ist und seit einigen Jahren sein schönes Zuhause gefunden hat, ist nicht nur vom Hauch der Geschichte umweht, auch immer wieder – wenn sollte es wundern? – mit musikalischen Nachklängen aus der Vergangenheit verbunden. In dem Gebäudetrakt mit dem Jugendstil-Treppenturm, ausgewiesen mit einem Chronogramm aus dem Jahre 1903, befindet sich das MAKSi-Büro. Als das Gebäude neu war, wohnte und arbeitete dort als Stiftsdamenlehrerin Marie von Zuccalmaglio.

 

Für Sangeskundige hat der Name einen besonderen Klang. Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio (1803-1869) könnte man als den Grimm unter den Volksliedforschern bezeichnen. Der studierte Jurist sammelte Volksweisen und dichtete auch selber solche im volksliedhaften Ton gehaltene Lieder. ‚Kein schöner Land in dieser Zeit' darf sicherlich als seine bekannteste Dichtung gelten. 22 Weisen aus seiner Sammlung wurden von Johannes Brahms bearbeitet. Im ChorVerband NRW e.V. finden alljährlich bis auf den heutigen Tag im Rahmen des Leistungssingens publikumswirksame Zuccalmaglio-Wettbewerbe statt.

 

Zuccalmaglio04Besagte Marie von Zuccalmaglio, die 1904 als Stiftsdame an der traditionellen Keppeler Schuleinrichtung ihre Anstellung erhielt, stammte – wie ihr bemerkenswerter italienischer Name vermuten lässt – aus eben dieser berühmten Familie. In der Tat kommen die Zuccalmaglios nachweislich ihres Namens seit dem 15. Jh. aus der Provinz Verona. Es soll Querverbindungen zu einer der Familienstämme der Medici geben. Ein 1712 geborener Antonio Simonis di Zuccalmaglio kam aus Caprino Veronese, wo es einen barocken Palazzo Zuccalmaglio gibt, und gelangte nach Deutschland an den Düsseldorfer Hof der wittelsbach-churpfälzisch-herzoglichen Linie Jülich, Berg und Zweibrücken. Er schlug die militärische Laufbahn ein und wurde schließlich Rittmeister. Dieser Migrant Anton Simeon di Zuccalmaglio benutzte in seinem Namen das deutsche Adelsprädikat „von". Aus der Ehe (1738) mit der Hofbeamtentochter Maria Barbara de Barbaré gingen sechs Kinder hervor, darunter Marian Heinrich von Zuccalmaglio (*1743), der namengebende Urgroßvater von Marie von Zuccalmaglio. Deren Vater Hermann Karl von Zuccalmaglio (1833), Steuerrat in Neuß, war ein Vetter von Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio.

 

Unser Wissen über die veroneser Sippe und deren Progenitur verdanken wir dem heute in Frankfurt a. M. wohnenden Reinhard Maria von Zuccalmaglio, der die genealogischen Nachforschungen seines verstorbenen Vaters Dr. Karl Heinrich Zuccalmaglio jetzt weiterführt.

 

Marie von Zuccalmaglio wurde am 16. Juli 1866 in Eupen (heute Belgien) geboren. Ihre Mutter, seit 1860 mit Hermann Karl von Zuccalmaglio verheiratet, hieß Amalie Elisabeth Réen. Tochter Marie hatte unterdessen am Konservatorium in Köln studiert und dort ihre Prüfungen in Klavier- und Ensemblespiel, Musiktheorie etc. erfolgreich abgelegt. Zunächst fand sie als Privatlehrerin für mehrere Jahre eine Anstellung bei der Familie des Justizrats Johann Gerhard Hubert Vasen (1826-1908) in Grevenbroich. Dessen Ehefrau, Alberta Giesella Catharina von Zuccalmaglio (1843-1916), war eine Tante von ihr. Sie war die Tochter des Justizrates und Notars Vinzentius Jacobus von Zuccalmaglio (1806-1876), einem jüngeren Bruder von A. W. Florentin von Zuccalmaglio. Wie dieser erlangte auch er größere Bekanntheit, da er als begabter Schriftsteller, Kritiker und Bürgerrechtler seinerzeit hervortrat.

 

Anschließend erteilte Marie von Zuccalmaglio Musikunterricht im Pensionat der Miss Savage auf Schloss Löseck. Wiederum als Erzieherin war sie ein viertel Jahr in der Familie Feisst in Frankfurt und anderthalb Jahre in der Familie des Konsuls Boerbeck in Bremen tätig. Danach ging sie für siebeneinhalb Jahre in die Vereinigten Staaten und unterrichtete an der renommierten Schule der deutschen Diakonissenanstalt in Philadelphia als Musiklehrerin.

 

Bevor Marie von Zuccalmaglio ins Siegerland kam, war sie noch ein halbes Jahr Lehrerin im Comeniushaus in Kassel.

 

In Keppel wurde die am Konservatorium vorgebildete Marie von Zuccalmaglio im Rang einer Stiftsdame als Musiklehrerin angestellt, wo sie neben der Gesangsausbildung den Keppeler Schülerinnen im Einzelunterricht auch Klavier- und Orgelspiel beibrachte. Selbstverständlich gehörte zu ihren Pflichten auch die musikalische Begleitung der Gottesdienste in der Stiftskirche.

Sie muss im Herbst 1907, ernsthaft psychisch erkrankt, um einen längeren Urlaub gebeten haben, von dem sie nicht wieder zurückkehrte. Fünf Jahre später ist Marie von Zuccalmaglio, erst 46-jährig, verstorben.


Dr. Erwin Isenberg

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