Mag der „Teufel" im Detail stecken: Notenausgaben von Anton „Diabelli"

Die Musikakademie Siegerland Südwestfalen e. V. (MAKSi) hat schon seit einigen Jahren ihre Geschäftsstelle in Stift Keppel und überhaupt, wie es heißt, „ihr schönes Zuhause" dort gefunden. Dazu gehören auch eine Musikbibliothek und ein Notenarchiv mit bereits über 5000 erfassten und noch mal so vielen unregistrierten Titeln, darunter Chor- und Orchesterpartituren, Instrumentalsätze, Gesangsnoten, Klavierauszüge, rundum alles, was sich mit Instrumenten und menschlichen Stimmen zum Klingen bringen lässt. Der Fundus hat sich rasch aus Notenspenden gefüllt. Aufgelöste Chöre haben ihre Notenbestände übergeben, Privatpersonen eigene bzw. aus Erbschaften hinterlassene Noten gestiftet und auch aus dem gymnasialen Schulgebrauch ist etliches hinzugefügt worden. Wer möchte, kann sich kostenfrei Noten ausleihen. Dem Notenarchivar, Autor dieses Artikels, sind im Laufe der Zeit beim Einsortieren viele Exemplare durch die Hände gegangen. Darunter auch bemerkenswerte „alte Schätzchen". Da schaut man gerne zweimal hin, wenn sich erschließen lässt, dass die Notendrucke aus dem 19. Jahrhundert stammen. Wenn man als Verleger Anton Diabelli (*1781) im Einbandtitel liest, wähnt man sich bei den vorfindlichen Originalausgaben in der Wiener Klassik angekommen. Die Notenblätter sind zwar schon stockfleckig, aber zum Gebrauch, d. h. zum raschen Umblättern noch fest und flexibel genug, was auch die Faserung des Papiers parallel zum Bund begünstigt. Früher war es üblich, mehrere Notenbände zusammen in ein Buch einzubinden. So finden sich in der gleichen Sammlung auch Noten aus dem Verlag von Carl Anton Spina (1827-1906), Sohn von Anton Spina (1790-1857), der 1824 in die Firma Diabelli & Co, „K.K. Hof- und private Kunst- und Musikalienhandlung" im Graben No 1133 (1. Wiener Bezirk), als Companion eintrat.

Abb. 4 Anton Diabelli Portrait

 

Besagter Diabelli war selbst auch Komponist. Musikhistorisch ist er v. a. berühmt geworden durch seine 33 Variationen über einen im Grunde simplen, nach ihm benannten Walzer. Ludwig van Beethoven, der sich mit ihm angefreundet hatte, nannte ihn scherzhafterweise „meinen Diabolus". Sein Vater – zum Teufel aber auch! – hieß Dämon. Ihm wollte es schicklicher erscheinen, den wenig vertrauenserweckenden Nachnamen zu italienisieren – dort hieße der Zwietracht stiftende Ungeist Diavolo –, so dass er daraus den gefälligeren „Diabelli" machte. Bemerkenswert ist das im wahrsten Wortsinn „gestochen scharfe" Notenbild der alten Diabelli-Notenausgaben. In der Tat hat man früher Noten nicht gesetzt, sondern gestochen bzw. gestempelt, und zwar gleich in eine weiche Blei-ZinnAntimon-Legierung. Mit einem fünflinigen Rastral wurden vorab die Notenzeilen gezogen, mit Stahlstempeln ganze und halbe Noten, Vorzeichen und Notenschlüssel in die Platte geschlagen und mit dem Stichel Notenhälse ins Blei gegraben. Alles in Handarbeit. Was die Taktgliederung und Zeichenfolge der Noten betraf, ließen sich die Abstandsweiten variabel einrichten, ebenso die Seitenumbrüche, so dass an passenden Stellen umgeblättert werden konnte. Notenkundig mussten die Notenstecher schon sein und auch Verständnis für die praktischen Aufführungsbedürfnisse der Instrumentalisten und Sänger mitbringen. Viele der alten Notenstiche, oftmals Erstausgaben, sind Jahrzehnte lang immer wiederverwendet worden, da es für neuere, ggf. bessere Fassungen offenbar kaum Bedarf gab. Später hat man von den Original-Notenstichplatten Barytabzüge angefertigt, von denen direkt Positivfilme für den Offsetdruck oder Buchdruckklischees hergestellt werden konnten. Die heute von nahezu Jedermann mit Hilfe von Computerprogrammen digital „gesetzten" Noten reichen an die frühere Qualität nicht heran.
Es ist auffällig, dass die meisten Notenverlage es immer noch vermeiden, die Jahreszahl der Druckausgabe anzugeben, dem Anschein nach zeitlose Notenbilder, manchmal so alt wie die Komposition selbst. Dabei sind die Druckfahnen nach dem ersten Andruck der gestochenen Noten zumeist selbst noch von den Komponisten durchgesehen und – gegebenenfalls – revidiert worden. Auf den weichen Bleiplatten ließen sich falsche Noten leicht wegplätten. Der Platteneindruck (Tiefdruck) ins Papier ist übrigens Seite für Seite heute noch gut zu sehen. Selbst bei gewissenhafter Übertragung vom Manuskript des Komponisten passierten immer wieder Fehler, zumal die handgeschriebenen Noten oftmals flüchtig, rasend schnell wie die auswendig im Gedächtnis repetierten Töne fast in Echtzeit zu Papier gebracht wurden. Nicht wenige Kompositionen entstanden zunächst nur im Kopf und wurden sofort, d. h. ohne Erprobung mit einem Instrument, handschriftlich in Noten fixiert. So hatte Franz Schubert, wie überliefert ist, beim Komponieren nur einen Schreibtisch vor sich. Entsprechend rätselhaft zeigte sich mitunter das gehuschte Geschreibsel für den Notenstecher, der sich im musikalischen Sinne einen Reim darauf machen musste. Während der gelegentliche „Dreckfuhler" = Druckfehler im Buchstabensatz immer noch den Wortsinn, v. a. im Textzusammenhang, erahnen lässt, konnte eine einzige falsche Note der Komposition eine völlig entstellende Wendung geben. Ob es auch Notenstecher gab, die sich wie vormals beim Buchdrucker Johann Ballhorn (+ 1603) eigenmächtige Verbesserungen bzw. Verschlimmbesserungen, also „Verballhornungen" anmaßten, ist selten in die Öffentlichkeit gelangt. Zwingend ist immer die Beachtung einer stimmigen Noten-Mathematik. Durch die Revision der Komponisten selbst, soweit sie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch lebten, war letzthin garantiert, das wir heute spielen und hören, was damals so auch gedacht war. Ins Blei gestochen, heißt in Spiegelschrift gefertigt. Auch in dieser Hinsicht waren Notenstecher Künstler. Ebenso künstlerisch sind die aufwendigen, dekorativen Titelkupfer gestaltet. Auch hier hat man oft die beim ersten Erscheinen verwendeten Titelseiten bei den nachfolgenden Ausgaben, selbst bis in unsere Zeit, wiederverwendet bzw. photomechanisch faksimiliert.

Abb. 1 diabelli-verlag

Was Diabelli betrifft, so weiß man, dass er 1818 durch seine Bekanntschaft mit dem Wiener Verleger Pietro Cappi (+ 1826) in das Verlagsgeschäft einstieg. Den Musikalienhandel, den beide zunächst gemeinsam betrieben, übernahm Diabelli sechs Jahre später auf alleinige Rechnung. Als Verleger förderte er einige der großen Komponisten seiner Zeit: Hier sind neben Franz Lachner, Michael und Joseph Haydn, Luigi Cherubini, Mozart und vor allem Franz Schubert zu nennen. Diabelli wurde für sein Lebenswerk mehrfach ausgezeichnet. Die Gesellschaft der Musikfreunde Wien und der Dommusikverein Salzburg ernannten ihn zum Ehrenmitglied, der Kaiser verlieh ihm den Titel eines „k. k. Hofmusikalienhändlers". Am 8. April 1858 starb Diabelli in geistiger Umnachtung, wie es damals hieß. Auf dem Sankt Marxer Friedhof in Wien wurde er beerdigt.

Dr. Erwin Isenberg

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