Warum mit Fragezeichen? – Ganz ohne Frage, sie wird stattfinden, wenn es um die Aufführung der Krönungsmesse geht. Im Rahmen des Chorprojekts Bach & Mozart des Augustinus-Chores Dahlbruch mit dem Kirchenchor St. Severinus Wenden und Gastsängerinnen und -sängern, Solisten und dem MAKSi-Orchester unter der Gesamtleitung von Maurizio Quaremba wird sie am Sonntag, den 1. Juli 2018, um 17 Uhr in der St.-Augustinus-Kirche in Dahlbruch zu hören sein. Die Proben hierzu beginnen schon ab März.


Aber warum heißt die so populäre Konzertmesse „Krönungsmesse“?
Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus oder auch Amadeus, dem Namen nach jedenfalls der „von Gott geliebte“ Mozart hat sie selbst nie als solche bezeichnet.

Mozart Siluette

Sehr wahrscheinlich hat er die Partitur, richtet man sich nach seinem handschriftlichen Chronogramm, am 23. März 1779 vollendet. Zu dieser Zeit war man von einem Krönungsanlass, zumindest im Hause Habsburg, weit entfernt und auch eine neuerliche Erhebung zum König oder Kaiser nicht in Sicht. Joseph II. (1741- 1790), Sohn aus der Ehe von Franz Stephan und Erzherzogin Maria Theresia von Österreich, einzige Erbin Kaiser Karls VI., war ab 1764 römisch-deutscher König und wurde 1765 zum römischen Kaiser gekrönt. Er hatte keine Söhne, so dass sein jüngerer Bruder Leopold nach seinem Tod 1790 römisch deutscher König und Kaiser wurde. Für dessen Krönung erging an Mozart in der Tat der Auftrag für eine Komposition, allerdings für eine Oper, die den Titel La clemenza di Tito“ (dt. „Die Milde des Titus“) trägt. Auf Kaiser Leopold II. folgte 1792 Franz II. zugleich der letzte römisch-deutsche König und Kaiser, der ab 1806 mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation als Franz I. nur noch Kaiser von Österreich war.

Wie gesagt, 1779, der Zeitpunkt der Fertigstellung der besagten Messkomposition – nicht die letzte von insgesamt elf Konzertmessen, die auf dem Grundton C aufbauen – liegt im deutlichen Abstand zwischen den Krönungsfeierlichkeiten nach 1765 und vor 1790. Sie fanden allesamt in Frankfurt statt. Schließlich 1792, zur Krönung von Franz II., war Mozart († 1791) bereits tot.

Als er die so genannte Krönungsmesse schrieb, war Fürst- und Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo von Waldsee und Mels (1732-1812) sein Dienstherr. Mozart, der seit dem 17. Jänner 1779 nach längeren Konzertreisen und vergeblicher Stellensuche erneut bei ihm als Hoforganist eine Anstellung fand, könnte sie für ein Hochamt am Salzburger Dom vorgesehen haben. Das Osterfest fiel damals auf den 4. April, so dass für die Ausführenden noch ausreichend Zeit war, sie einzustudieren.

Zu Mozarts kirchenmusikalischem Œvre zählten am Ende seines viel zu kurzen Lebens 17 Messen, als letzte ein Requiem. Neben einer Missa longa, Missa solemnis und der großen Messe in c-Moll, waren es meistens Messen in der kurzen Fassung einer Missa brevis. Letztere umfasste zwar die Vertonung des gesamten Messordinariums, d. h. Kyrie (in der Krönungsmesse: Andante maestoso … Più andante), Gloria (Allegretto con spirito), Credo (Allegro molto – Adagio – Tempo I), Sanctus (Andante maestoso – Allegro assai, dazugehörend Benedictus (Allegretto – Allegro assai) und Agnus Dei (Andante sostenuto – Allegro con spirito), aber mit Rücksicht auf die Gesamtlänge des Gottesdienstes nur in betont knapper Weise. Von Colloredo ist bekannt, dass er bei der Zelebration der Eucharistiefeier nicht unnötig lange am Altar stehen und warten wollte, nach seiner Ansage: „Mach Er‘s kurz, Mozart!“

Mozart Bild

Hieronymus Graf Colloredo von Waldsee und Mels
Fürst- und Erzbischof von Salzburg

Der Erzbischof war ein Verfechter von Reformen im Sinne der damaligen katholischen Aufklärung. In diesem Geiste erließ er auch viele kirchliche Verordnungen und griff dabei oftmals in religiöse und nichtreligiöse Bräuche ein. Seinerzeit wurde im Volksmund kolportiert: „Unser Fürst von Colloredo hat weder Gloria noch Credo“. Er untersagte Wallfahrten und Bittgänge generell, Kirchenschmuck und Kirchenmusik schränkte er auf das notwendige Maß ein. Im Bereich der neuen Gottesdienstordnung gehörte allerdings zu seinen Anordnungen auch die Einführung des deutschen Volksgesanges während der Messe.

Nach einer sich hartnäckig haltenden Legende, die 1907 der Mozart-Enthusiast Johann Evangelist Engl in die Welt gesetzt hat, soll er die Messe für das Krönungsfest in der Wallfahrtsbasilika Mariæ Himmelfahrt auf dem Plainberg nördlich der Stadt Salzburg, das im Jahre 1779 erstmals am 27. Juni eingeführt wurde und seitdem alljährlich begangen wird, komponiert haben. Einen schriftlichen Beleg für einen solchen Auftrag gibt es allerdings nicht. Vielmehr ist der Name Krönungsmesse erst 1862 in der Erstauflage des Köchelverzeichnis schriftlich nachgewiesen. Möglicherweise wurde die Messe KV 317 erst nach Mozarts Tod zur bevorzugten Komposition für Gottesdienste bei Kaiser- und Königskrönungen sowie bei Dankgottesdiensten. Zum ersten Mal könnte sie 1792 im Rahmen der Krönungsfeierlichkeiten für Kaiser Franz II. verwendet worden sein. Allerdings gibt es hierfür, nach gegenwärtigem Kenntnistand, keinen Beleg. Das gilt ebenso für die nachfolgenden Monarchen. Als Franz II., nachmals Franz I. Kaiser von Österreich 1835 verstarb kam sein erstgeborener Sohn Ferdinand I. (1793-1875) auf den Thron. Jener war von Geburt an mit einem Handicap behaftet. Weniger Wohlwollende sprachen von „Ferdinand dem Depperten“, Gutmeinende gaben ihm den euphemistischen Beinamen „der Gütige“, im Volksmund verballhornt auch als „Gütinand der Fertige“. In der Tat machte ihn seine außerordentliche Führungs- und Entscheidungsschwäche unfähig zur Alleinregierung. Ab 1848 war er „Kaiser im Ruhestand“. Nicht sein Bruder Franz Karl, sondern dessen Sohn Franz Joseph († 1916) übernahm daraufhin das Regiment.

Die ursprünglich nur interne Bezeichnung Krönungsmesse – zu wessen Krönung auch immer (oder gar nicht) – dürfte, wahrscheinlich ausgehend von Gepflogenheiten der Wiener Hofmusikkapelle, bald Allgemeingut geworden sein.

Jedenfalls dürfen wir sie heute als ein „krönendes Werk“ von Mozarts kirchenmusikalischem Schaffen ansehen – Was heißt ansehen? Am besten „anhören“, wie gesagt, am 1. Juli beim Konzert in Dahlbruch.

Dr. Erwin Isenberg

moncler outlet moncler outlet online nike tn pas cher tn pas cher air jordan pas cher air jordan site officiel parajumpers pas cher parajumpers pas cher golden goose outlet online piumini moncler outlet piumini moncler outlet piumini moncler outlet piumini moncler outlet piumini moncler outlet piumini woolrich outlet piumini woolrich outlet piumini woolrich outlet piumini woolrich outlet piumini woolrich outlet air max pas cher air max 90 pas cher golden goose outlet golden goose saldi golden goose pas cher golden goose soldes chaussures de foot chaussures de foot pas cher