Den ersten Teil des Zitats einer Arie aus der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss – freilich, nicht in der hier verwendeten Fragefassung – hat man in diesem Jahr als Motto gewählt für die Opern- und Operetten-Gala, die 2017 wieder einmal, wie schon seit 15 Jahren im Zusammenwirken von MAKSi mit der Chorgemeinschaft Kreuztal 1851 e. V., mit namhaften Gesangssolisten und dem MAKSi-Orchester unter der musikalischen Leitung von Prof. Maurizio Quaremba in der Stadthalle in Kreuztal veranstaltet wird.
In der „Fledermaus“ – im Italienischen heißt es: „Il pipistrello“ – zeigt sich „im Feuerstrom der Reben“ die Wiener Schickeria, einschließlich ihres weiblichen Hauspersonals, das sich gern als „Unschuld vom Lande“ ausgibt, in prickelnder Stimmung. Doch bei aller Champagnerlaune, die schwungvoll besungen wird und letzthin bei den neckischen, bald fraternisierten Protagonisten („Brüderlein und Schwesterlein, wollen alle wir sein.“) im Salon des reichen russischen Magnaten, Prinz Orlofsky, zu kollektivem Vollrausch führt („Duidu immerzu“), ist vielleicht die nüchterne Frage erlaubt: Wie glücklich kann man sein, wenn man auf das Vergessen baut? („Flieht auch manche Illusion, die dir einst dein Herz erfreut, gibt der Wein dir Tröstung schon durch Vergessenheit.“) Waren es nicht etwa Walzerklänge zu einem Tanz auf dem Vulkan? Wie nah war das angeheiterte „Trink mit mir, sing mit mir, Lalala, lalala …“, das wie die lebenslustige Begleitmusik zu einer heiteren Komödie anmutet, am Abgrund der Tragödie? Heißt es doch: „Gestern noch standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter“. Nun ja, „beim Wein, der Tröstung gibt – schon durch Vergessenheit“, ist die folgende Katerstimmung garantiert.
Wenn man sich auf die Entstehungszeit der zweifellos erfolgreichsten Strauss-Operette besinnt, so feierte sie – mit einem Feuerwerk an Ideen, einem Weltrekord von 120 Melodien – am 5. April 1874 ihre Uraufführung am „Theater an der Wien“. Ein Musikstück des damals noch unfertigen Werkes, der Csárdás [„Klänge der Heimat, ihr weckt mir (ungarisch breit) das S(ä)hnen, rufet die Tränen …] aus dem zweiten Akt, wurde bereits bei einem Wohltätigkeitskonzert im Oktober 1873 erstmals dem Wiener Publikum vorgestellt. Wegen des großen Erfolges wurde die Uraufführung der gesamten Operette rasch vorangetrieben, musste aber infolge der inzwischen ausgebrochenen Wirtschaftskrise mehrfach verschoben werden.
Jener „Wiener Gründerkrach“, einer der zahlreichen „Schwarzen Freitage“ der Weltgeschichte, erschütterte die Donaumonarchie am 9. Mai 1873 bis ins „kapitale“ Mark. Dem Geld, das doch neuerdings die Welt regieren sollte, war unter Kaiser Franz Josef I. eine neue, eminente Rolle im Leben der Gesellschaft beigemessen worden. Die von ihm 1873 ins Land geholte Weltausstellung, ein internationales Schaufenster des neuerlich Machbaren, hinterließ ein Defizit von 19 Millionen Gulden. Der Verfall der betrügerisch aufgelegten Aktien führte zu einem unsäglichen Desaster für die Geldanleger, die vielen Reichen, aber auch Neureichen, deren Einlagen auf der Welle der damaligen Aufbruchsstimmung die Kapitalmärkte fluteten. Der große Schwindel flog auf und in dem Taumel der Geldgier verloren nicht wenige den Boden unter ihren Füßen. In dieser Folge hatten auch die notorischen Habenichtse, die von ihren aristokratischen und großbürgerlichen Arbeitgebern abhängig waren, noch weniger als vorher, d. h. nunmehr nicht mehr als nichts. Dem Elend zum Trotz feierte in Wien der vorherrschende, geradezu bacchantische Hedonismus feucht-fröhliche Urständ‘, nach dem Motto: Auch wenn alles keinen Sinn hat, soll der Unsinn doch wenigstens Spaß machen.
Ist aber unter diesen Umständen das bloße Vergessen ein guter Ratgeber? Freilich, das Banale vergisst sich schnell von selbst. Das Besondere, vor allem Angenehme, das erfahrene Glück, vielleicht auch Rühmenswerte nehmen wir gerne zum Gegenstand unserer Erinnerungskultur. Im gegenteiligen, negativen, gar schrecklichen Fall, pflegen wir stattdessen die Verdrängungskultur. Was jedoch diese Kultur betrifft, so ist bemerkenswert, dass sich im zeitlichen Umfeld „Schwarzer Tage“ immer wieder ungeahnte, neue Kräfte entwickelten, die zu einem weit findigeren Erfinder- wie auch prosperierenden Unternehmergeist, zudem zu einer Hochblüte künstlerischer Kreativität führten. Man denke nach dem katastrophalen Weltkrieg an die Goldenen Zwanziger, andernorts treffend als „Roaring Twenties“ charakterisiert. Freilich, 1929 platzte wieder mal weltweit die gigantisch aufgebähte Kapitalblase, ausgehend von der Wallstreet in New York, diesmal an einem „Schwarzen Donnerstag“. Wo man den sicheren Boden bereits unter den Füßen verloren hatte, ließ sich notgedrungen, ohne lähmende Bodenhaftung und somit leichter eine neue Existenzgrundlage finden. Es hieß: Frisch gewagt! Denn verlieren, wenn man ja schon alles verloren hatte, konnte man nichts mehr. So sind manche Geniestreiche, wie auch damals die überschäumende „Fledermaus“, gerade in Zeiten scheinbarer Aussichtslosigkeit kreiert worden. Von wegen „was doch nicht zu ändern ist.“ Sollte man daher nicht besser sagen: Glücklich ist, wer sich ändern, – vielleicht in einer verfahrenen Situation neu erfinden kann?

Erwin Isenberg

 

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